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Karsten Püschner
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Bestandssichtung von Holzfußböden

im Juni 2003

Lingner-Schloss
ehemals Villa  Stockhausen, Dresden

Kurzbestandserfassung:

Bei den erfolgten Untersuchungen handelt es sich nicht um eine komplette Bestanderfassung, sondern um eine Bestandssichtung.
Durch die generelle radikale Überformung der gesamten Innenarchitektur, besonders aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts, waren keine bauzeitlichen Fußböden sichtbar. Alle Räume sind mit Parkett im Fischgrätenmuster neu ausgelegt worden. Teilweise befinden sich noch textile Fußbodenbeläge jüngeren Datums geklebt auf diesen Parketten.
Im Jahr 2001 erfolgten im Zusammenhang mit den Planungsvorbereitungen zur Sanierung des Gebäudes durch die Klaus-Tschira-Stiftung auch Deckenbalkenuntersuchungen. Dabei wurden in brachialster Weise Fußbodenöffnungen nicht nur durch die Parkette der 50er Jahre des 20.Jahrundert gesägt und aufgebrochen, sondern auch ohne Rücksicht in die darunter liegenden bauzeitlichen Fußböden mit erheblichem Schadensausmaß für die offensichtliche Originalsubstanz. Eine kurze restauratorische Betrachtung dieser offenen Fußböden lies einiges an Befunden von bauzeitlichen Fußböden erwarten.
So erfolgte beginnend an den bereits geöffneten Fußbodenstellen speziell im 1. OG ein gezielter Rückbau von Parkett aus den 50er Jahren des 20. Jhd.. Dabei wurden die Nägel des trocken und genagelt verlegten Parketts freigestochen und gezogen, damit es zu keinen weiteren Schäden an den bauzeitlichen Fußböden kommt.
Beginnend mit dem Flurbereich des 1. OG, der von der gewendelten Steintreppe aus betreten wird, konnten bis in das westliche Eckzimmer (elbabwärts) und auch in das östliche Eckzimmer (elbaufwärts) bauzeitlich einzuordnende Holzfußbodenbereiche freigelegt werden.


Folgende Befunde wurden erfasst:


Flur 1. OG:

Hier ist eine Nadelholzdielung als Tafeldielung mit Friesen zu belegen, welche offensichtlich in großen Bereichen vorhanden ist. Im Detail sind die Tafeldielen auf Gratleisten aufgeschoben und bilden Platten von ca. 2,5 x 2,5 Meter, die dann gefedert von Friesen umschlossen werden. 30 cm breite Querfriese, die diese Einteilung in etwa 2,5 Meter lange Felder im Gang vornehmen, sind in Art eines Tafelparketts mit einer Nadelholzunterlage in holzsichtiger Eiche gearbeitet.

Diese Eichenflächen haben dann noch eingelassene ca. 1cm breite dunkle Edelholzeinlagen (eine nähere Holzbestimmung ist noch erforderlich). Diese Friesbauweise findet sich in dem bauzeitlich noch größtenteils vorhandenen Tafelparkett im Westeckzimmer wieder. Die Nadelholzflächen waren in einem Ockerton farbgefasst und mit dunklen Begleitstrichen gegliedert. Eine Vortäuschung von einem edleren Material, wie Eiche ist nicht ausgeschlossen, müsste aber bei weiteren Freilegungen noch näher untersucht werden.

Die in Eiche gefertigten Querfriese enden nicht direkt an der Wand, sondern dort ist jeweils ein Brett in Bauholzqualität jüngeren Datums eingesetzt. Dieses ist offensichtlich an Stelle der ursprünglich vorhandenen Pfeiler, die in die bauzeitlich vorhandenen Deckengewölbe übergingen, eingesetzt worden.

Weiterhin konnte an der Tür zum östlichen Nebenraum, der über diesen Flur direkt erreichbar ist, in der noch vorhandenen Fußbodenbemalung ein Abdruck eines bauzeitlichen Türbekleidungsprofils entdeckt werden.


Östlicher Nebenraum 1.OG


In dem kleinen östlichen Raum ist ebenfalls bauzeitliche Tafeldielung mit eingefederten Friesbrettern in Nadelholz vorhanden, welche sich unter einem Blindboden aus Nadelholz und dem Eicheparkett aus den 50er Jahren des 20. Jhd. befindet. (siehe Abb. 7)
Der zusätzlich verlegte Nadelholzblindboden, der entstehungszeitlich gleich dem Parkett aus den 50er Jahren des 20.Jhd. zuzuordnen ist, wurde aufgebracht, um eine gleiche Fußbodenhöhe mit dem Flur zu bekommen. An dieser Stelle scheint es wichtig, darauf einzugehen, warum diese unterschiedlichen Raumhöhen vorhanden waren. Die Räume sollten keine Türschwellen erhalten. Trotzdem wollte der Architekt die Türen aber an einen unteren Anschlag schlagen lassen, sodass auch unten eine Türfalzsituation vorhanden war. Deshalb wurden offensichtlich von der Treppe zum Flureintritt beginnend, der bauzeitliche Fußboden immer um ca. 30 mm tiefer geplant und aufgeführt, so auch vom Flur in diesen Nebenraum.


Großer Mittelraum ohne Fenster 1. OG


In einem „Sichtfenster“ konnte unter dem Parkett der 50er Jahre des 20. Jhd. analog des Flurs bemalte Tafeldielung gesichtet werden.

Großer Mittelsaal mit Veranda 1.OG


Unter Teppichboden und Parkett der 50er Jahre des 20. Jhd. wurden zweitverwendete Tafeldielenbretter mit Schwalbenschwanznuten, welche zum Aufschieben auf die Gratleisten notwendig sind, gefunden. Diese Bretter sind eindeutig dem bauzeitlichen Fußbodenmaterial aus den Flurbeispielen zuzuordnen. Da die jetzige Nagelung mit Nägeln der zweiten Hälfte des 20. Jhd. auch an anderer Stelle wie die Originalnagelung erfolgte, ist dieses Brettmaterial aber offensichtlich nicht aus diesem Raum. Weiterhin wurde im Zwischenraum zwischen dem bauzeitlichen Lehmeinschub und dieser zweitverwendeten jetzigen Blinddielung ein Parkettrest eines Tafelparketts entdeckt. Dieser Befund wurde dem Architekturbüro Weise & Treuner übergeben.

Als Blindboden zweitverwendete bauzeitlichen Tafeldielenbretter unter dem Parkett aus den 50er Jahren des 20. Jhd.
Geöffneter Blindboden, auf der Rückseite eines Dielenbrettes die Schwalbenschwanznut von der ursprünglichen Verwendung zur Tafeldiele
Geöffneter Blindboden mit Fund eines Tafelparkettstückes, hier auf der Rückseite eines Dielenbrettes die ebenfalls Schwalbenschwanznut von der ursprünglichen Verwendung zur Tafeldiele

Östliches Eckzimmer 1.OG (elbseitig, elbaufwärts)


Tafeldielung, verklebt mit bitumenartiger Klebemasse von der Parkettverlegung aus den 50er Jahren des 20. Jhd.

Hier ist eine bauzeitliche Nadelholztafeldielung mit etwa 55 cm breiten Tafeldielen belegbar. Im elbabgewandten Zimmerbereich gibt es einen breiten Streifen, der mit einem Nadelholz-blindboden in Bauholzqualität notdürftig geschlossen wurde. Eine andere bauzeitliche Raumgröße ist nicht auszuschließen. Nähere Untersuchungen waren aber im Rahmen dieser Bestandssichtung nicht möglich.


Westliches Eckzimmer 1. OG (elbseitig, elbabwärts)


Unter dem Parkett aus den 50er Jahren des 20.Jahrunderts sind große Teile des bauzeitlichen Parketts erhalten. Es handelt sich um ein furniertes Tafelparkett mit Nadelholzgrundplatten und noch ca. 4-5 mm starker Eichenholzauflage. Die quadratische Plattengröße beträgt 62 cm. Die diagonal zur Wand verlegten Platten werden von Dreiecktafeln und einem ca. 50 cm breiten Wandfries eingefasst. In dem Wandfries sind analog der Querfriese im Flur dunkle Edelholzeinlagen als Begleitbänder vorhanden.

Westliches Eckzimmer mit Tafelparkett /Türbereich Ostwand
Tafelparkett Ostwand mit teilweise fehlenden Wandfries
Herausgesägte und ausgebrochene Bereiche (Bauuntersuchung 2001) des Tafelparketts mit Friesbestand im Fensternischenbereich
Befund des Tafelparketts im Fensternischenbereich ebenfalls mit Verlusten
von Jahr 2001

Zusammenfassung


Nach der erfolgten Bestandssichtung kann wohl für das 1. OG weitgehend die bauzeitliche Gestaltung der Fußböden nachvollzogen werden. Tafeldielungen sind selbst bis in die Türme nachzuvollziehen, da auch dort, wenn auch beschädigt, die bauzeitliche Fußböden vorhanden sind.

Aufgrund der jetzt schon umfangreichen guten Befundlage ist aus restauratorischer Sicht die Freilegung und Restaurierung dieser Fußböden angeraten. Im Zusammenspiel mit der ursprünglichen Architekturvollkommenheit dieser Räume haben die Fußböden in ihrer Machart und Schönheit die Räume maßgeblich mit geprägt.


Im EG hingegen konnten unter Parketten aus den 50er Jahren des 20. Jhd. nur massive Betonestrichunterböden festgestellt werden.

 

Untersuchungsbericht

– bitumenartige Klebemasse auf der Tafeldielung im östlichen Eckzimmer 1.OG

In bituminösen Klebemassen aus der Verarbeitungszeit der 50er und 60er Jahre des 20.Jhd. ist es nicht untypisch Chlorphenole oder andere chlororganische Holzschutzmittel zu finden. Zur Abklärung von möglicherweise gesundheitsschädlichen Bestandteilen in dieser Masse oder in den bestrichenen Holzflächen (Tafeldielung) erfolgte eine chemisch-analytische Untersuchung eines Holzstückes mit dick aufgetragener Masse aus dem östlichen Eckzimmer des 1. OG. Der Prüfbericht schließt das Vorhandensein der o.g. chlororganischen Verbindungen aus, sodass keine Raumluftbelastungsgefahr vorliegt.